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Robert Werner
  
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Über 400 örtliche Gruppen des Jungdeutschen Ordens bestanden noch während der ganzen Zeit des „Dritten Reiches“, hatten Verbindung miteinander und zur zentralen Führung.

Dies ist innerhalb des „bürgerlichen“ Deutschlands sicher einmalig. Und genau dies: der organisatorische Zusammenhalt eines starken oppositionellen Verbandes über das ganze Reichsgebiet störte die Nationalsozialisten in ihrem konsequent verfolgten Anspruch, das deutsche Leben in allen seinen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten total zu beherrschen und zu durchdringen - ihren Totalitätsanspruch, der nicht einmal vor Ehe und Familie Halt machte. Deshalb schlug der totale Staat auch mit seinen Machtmitteln erbarmungslos zu, wo immer er eine eigenständige - nicht nationalsozialistische - Regung aufspürte. Seine gemeinen Spitzelmethoden und seine selbst in Kriegszeiten übereifrige Bürokratie ließen keinen Winkel in Deutschland aus.

Daß es dennoch gelang, diesem System mit der Reichsorganisation des Jungdeutschen Ordens zu trotzen und überall Inseln der Wahrheit und des Vertrauens zu bilden, die auf weite Kreise ausstrahlten und sie gegen das Gift des Systems immunisierten - das ist die Leistung dieses Widerstandes. Nicht Pistolenschützen, Bombenleger und Saboteure brachte dieser Widerstand hervor, sondern standhafte, kluge und ehrliche Frauen und Männer, Mädchen und Jungen.

Beweis dafür ist u.a., daß es allen widerwärtigen und unmenschlichen Verhörmethoden nicht gelang, die Tarnung zu durchdringen. Weder die Reichsorganisation konnte in den verschiedenen Prozessen vom nationalsosialistischen System erkannt und enttarnt werden noch fanden sie auch nur die undichten Stellen innerhalb der Geheimen Staatspolizei - Gestapo - selbst, durch welche den Jungdeutschen immer wieder Informationen, Warnungen und sogar tätige Hilfe zukamen.

Der Nationalsozialismus hatte zudem ein durchaus gespaltenes Verhältnis zu den Jungdeutschen. Sie für sich zu gewinnen und sie zu bekämpfen, wenn sich erkennbar dem totalitären Staat versagten - das waren die beiden Motive, die ständig miteinander konkurrierten. Sie gewannen u.a. ihren Reichssportführer von Tschammer und Osten aus den Reihen der Jungdeutschen und deren früheren „Chefideologen“ Prof. Dr. Reinhard Höhn, den sie zunächst in den Sicherheitsdienst - SD - einspannten, dann wieder beargwöhnten, aber mit hohem SS-Rang in Berlin Jura lehren ließen. Andere schlossen sie aus dem Offizierskorps aus. Wen sie unter den Jungdeutschen aber als Gegner aufspürten, der verfiel ihrer Verfolgung. Doch weder Verlockungen noch Drohungen und Verfolgung brachen die Gemeinschaft auseinander.


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